Wörter. Worte. 41
Meinem Erachten nach, kann man hieraus einen Beweis neh-men, daß dieser Plural, eher im Oberdeutschen als Niederdeutschen ist gebräuchlich gewesen, und vielmehr aus jener, als aus dieserMundart herstamme, welches auch mit der Natur beider Mund-arten übereinzukommen scheinet, da, wie der-Herr tN. Fuloa,von beiden ganz richtig bemerket, 40 S. Schnarrn, und Aschen,das bekannte Eigenthum des Hochdeutschen ist, der Niederdeutschehingegen, die weicheren Töne liebet.
Wenn gleich das er, die gewöhnliche Endung des Plurals imDänischen und Schwedischen ist, so folget doch daraus noch nicht,daß sie aus diesen Sprachen in das Deutsche gekommen sey, oderaus den nördlichen Gegenden hcrstammen müsse, denn so müstena-türlicher Weise, der Plural in er, eher von dcn niederdeutschenals oberdeutschen Schriftstellern gebraucht seyn, wovon man aberdas Gegentheil findet, Und noch jetzt, da die hochdeutsche Mund-art, in den niederdeutschen Provinzen schon gewöhnlicher geworden,wird man doch den Plural in er, unter den acmclnen Leuten nurselten hören. Sie sagen noch D. t'e, für Tücher, 2ööb'c, für Bü-cher, unddergl.
-Herr Avelung sagt weiter: „Daher rühret es denn, daß„viele Wörter, die jm Hochdeutschen Plural ein er bekommen, bei„den älteren und mittleren Oberdeutschen ein bloßes e haben, die,,Manne, Xveibe, Pfanve, Xvälve, u. s. w.„ Ich sehe abergar nicht, warum er dieses, nur von den Oberdeutschen behauptet,denn man findet es ebenfalls, bei den niederdeutschen Schriftstel-lern: Manne, Xviwe, Dob'e, Silve, für Männer, Weiber,Tücher, Bilder, und dergl. ist ihnen ganz gewöhnlich, und sie ha-ben diesen Plural noch länger beibehalten, als die Oberdeutschen.Ich will nur ein Paar Beispiele ansühren. In dem Pafiional,heißt es von S. Clara! Unde rvuesck Ven zekcn vrourven ereDör'e, und wusch den siechen Frauen, ihre Tücker. 207 Bl. Derheil, Longinns, sagt zu den bösen Geistern: XVarumme rvanegy in den bilden'! Warum wohnet ihr in den Bildern? Esha.-bcn also diejenigen Wörter, welche jetzt den hochdeutschen Pluralin er bekommen, vormals nicht nur im Oberdeutschen, sondernauch im Niederdeutschen ein bloßes e gehabt.
Nachdem aber der Plural in er, in Oberdeutschland angefan-gen gewöhnlich zu werden, ist er auch in das Hochdeutsche gekom-men, und zwar scheinet <s, daß man anfänglich, beide ohne Un-terschied gebraucht hat. So findet man den doppelten Plural,Leibe und Leiber, noch in unserer Bibelübersetzung, z.B. 4B-Mos.i4. v.Z2. Ihr samt euren Leibern, und v.5Z. Bis daß eure
E Leibe