46 Finster. Dunkel. Dusier oder Düster.
dunkler Wald, dunkle Kammer, dunkle Wolke,und auch, ein düsterer Wald, duftere Kammer, du-ftere Wolke, und dergleichen. Allein es scheinet dochdieser Unterschied zu seyn, daß dunkel sich bloß auf dieBeraubung des nöthigen Lichts, dufter zugleich aufdaö-jenige beziehe, wodurch das Licht zu scheinen verhindert,oder wodurch es uns geraubet wird. Ein Wald ist dun-kel, weil nicht Licht genug darin ist: Er ist duster, weildie Bäume mit ihren Blättern das Licht verhindern, hin»einzufallen. Eine Wolke ist dunkel, weil sie kein Lichthat, im Gegensatz der helleren, durch w-lche noch einigeLichtstrahlen, aufuns herabfallen: Sie ist duster, weilsie die Strahlen der Sonne zurück hält, und uns zu-scheinen verhindert.
Die Etymologie selbst, scheinet es anzuzeigen, daßduster sich auf so etwas beziehe, wodurch wir zu sehenverhindert werden. Frisch leitet es in seinem Wörterbu«che, auf der 21z Seite von duseln, düstln, düselich,her, und dadurch wird eine Betäubung des Gehirns an-gezeiget, die durch einen Schlag, oder starke Herumdre-hung verursachet ist. Auch nach dieser Etymologie, wür-de also duster, auf so etwas gehen, welches uns verhin«dert, die Vorwürfe genau zu sehen, und zu unterschei-den, wie bei einer Betäubung und dem Duseln geschiehet.
Mich dünkt aber, duster oder düster, könne besservon dem alten Worte Dust hergeleitet werden, welchesStaub bedeutet. In der englischen Sprache ist es nochvorhanden, tlis 6uü, der Staub. Und in der Mark,nennen die Müller an verschiedenen Orten, Dust, oderDus, das allerseinste Mehl, welches wie Staub ist.Wie man nun, bei einem aufsteigenden dicken Staube,wenig sehen, und dasjenige, was dahinter ist, nicht rechtunterscheiden kann, so hat man duster, oder düster, ei-ne solche Dunkelheit genannt, in welcher uns etwas ver-hindert, die Vorwürfe genau zu sehen und zu unter-scheiden.