Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
Seite
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Listig. Schlau.

5?

Zweitens, wenn das Wort schlau, in einem bösenVerstände genommen wird, scheinet es anzuzeigen, daßman jemanden, unter einem angenommenen gutenSchein, auf eine verschlagene Weise hintergehe. DerListige leget nur Fallstricke, und sucht andere zu berü-cken : Der Schlaue verstellet sich mehr, er schmeicheltoft, um heruach zu schaden, und gibt sonderlich aus alleschwache Seiten des anderen Acht, die er zum Schadendesselben zu nußen weiß. In solcher Absicht, brauchtHaller das Beiwort schlau, von der Heuchelei.

Ihm steht mit krummen Hals die schlaue Heu-chelei

Und mit verlarvtem Haupt, Betrug sein Vater bei.

-Hall. Geo.öi S.

wie auch von dem Neide:

Kein schlauer ^eid dem fremde Mangel schmei-cheln 215 S.

Und Hagedorn sagt in der Fabel, der vertheidigteSchwan:

Man tadelt einen Schwan, der Wasservogel

König,

Da nimmt sich seines Ruhms, ein schlauer Vv'

gel an.

Das Schlaue dieses Vogels, bestehet d-n-in, daßer unter dem guten Schein der Vertheidigung desSchwans, ihn wihig und auf eine verschlagene Weiseverspottet, und sich über ihn aufhalt.

Man bedienet sich daher drittens, in einigen Fallendes Wortes listig, mehr von demjenigen, welcher eineList erfindet und brauchet: Schlau von demjenigen,«elcher sie merket und ihr entgehet.

Die Kaße ist listig, wenn sie sich anstellet, als obsie schliefe, um die Mäufe sicher zu machen, und sie de-sio leichter zu fangen. Der Fuchs ist schlau 5 er mer.ket bald die Fallstricke, die ihm geleget sind.

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