Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
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Wallen. Wallfahrten. 57

Kirche, wo das Volk hinwallet, wallbruder der-jenige der mit einem wallet. In diesem Sinn kommtesmitN)allfahrrenüderein. In einem uncigentlichenSinn, sagt man, das Herz wallet vor Freude». DieRegungen der Dankbarkeit durchwallen mein Herz.

28. Wallen. Wallfahrten.

^n so weit sind diese Wörter gleichbedeutend, als sie ei-ne gottesdienstliche Reise anzeigen, welche man nachheiligen Oertern thut; Aber darin sind sie verschieden,daß lVallen mehr auf einen Menschen siehet, welcherzu Fusse gehet: ^Wallfahrten, mehr die Reise selbstnach heilige Oerter ausdrückt, ohne Absicht, ob sie zuFusse, oder reitend, oder fahrend geschiehet.

Frisch leitet das Wort Wallfahrten, von dem al-ten Worte N)al her, welches todt bedeutet, und faget,es bedeute eine Reise, welche man nach den Grabern dertodten Heiligen thut. (Siehe Frischs Wörterbuch, 2TH.auf der 4,8 Seite.) Mich dünkt vielmehr, es sey vonlVallen entstanden. Man hat vielleicht Anfangs einsolches tVallen, odereine solcheReise nach heiligen Oer-tern, damit angezeiget, welche zu mehrerer Bequemlich-keit fahrend geschiehet. Hernach ist es überhaupt ohneUnterschied von allen Reisen nach heiligen Oertern ge-braucht, ja das Wort N)allen, ist davon fast verdrengetworden. Man sagt jeho gewöhnlicher: Die Pilgrimmewallfahrten häufig dahin, als: Sie wallen dahin.Er thut eine N?allfahrr nach Rom, als: Er walletnach Rom.

29. Neid. Misgunst. Abgunst.

L^n dem allgemeinen Begrif, worin diese Wörter gleich-bedeutend sind, zeigen sie eine solche Gemüthsbeschaf-fenheit an, in welcher man das Glück und den Wolstand

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