Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
Seite
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58 Neid. Msgimsi. Abgunst.

anderer Menschen, mit scheelen Augen ansiehet, und ih-nen das Gute, so sie gemessen, nicht gönnet.

iTteid drücket den höchsten Staffel davon aus, eSistdamit der Begrifeiner innerlichen Traurigkeit, und einesherzfressenden Kummers über den Wolstand andererMenschen verknüpft, da hingegen die beiden anderenWörter, nur ein Misvergnügen darüber anzeigen.

Ein Neidischer betrüber sich recht, und grämet sichinnerlich, wenn er siehet, daß es andern wol gehet. Da-her wird der ^lcid anch abgemahlet, als ein Mensch,welcher sein eigen Herz fristet. Der Misgünstige, undAbgünstige, gönnen nur andern das Gute nicht, wassie gemessen.

Derzeit), kann nichts Gutes, auch keine Tugen-den, an andern leiden, und ergreifet daher alle Gelegen-heit, wo er irgend ihre gute Eigenschaften verkleinern,und verläumden kann. Die NWgunst und Abgunst,wollen nur diejenigen Tugenden nicht leiden, die ihnenim Wege stehen.

Der i7Ieid, sticht andern in allen Stücken zu scha-den, wo es ihm nur möglich ist. Die Misgunst undAbgunst, suchen nur in Ansehung desjenigen zu scha-den, was sie andern nicht gönnen.

Man brauchet zwar die Wörter, L-Insgunst undAbgunst, oft als ganz gleichbedeutend, und vielleichtsind sie es auch in der That, nur mit dem Unterschiede,daß das erste in der edlen Sprechart gebräuchlicher ist.Man braucht sie aber beide, in dem gemeinen Leben hau-sig, und zwar dünkt mich, man werde dabei, mehren?theils diesen Unterschied wahrnehmen, daß man miesgünstig denjenigen nennet, welcher andern eine Sachenicht gönnet, weil er sie selbst gern haben möchte: Absgünstig denjenigen, welcher einem anderen auch so etwasnicht gönnet, was er selbst, nicht einmal begehret, oderdoch nicht haben kann» Ein Kind gönnet dem andern