Züchtigen. Strafeil. Ahnden. 69
Die Züchtigung hatallemal die Besserung des Mcn.schen zum Zweck. Die Strafe hingegen soll das Bösegleichsam aussöhnen, und demjenigen wehe thun, d^r esbegangen hat. Bei der Ahndung ist beides verknüpft.Man ahndet das Böse, so jemand gethan hat, sowol umihn zu bessern, als auch ihn einigermassen zu strafen.
Man kann die Züchtigung mildern, oder gar erlas-sen, wenn manschen wirklich Reue und Besserung findet.Aber die Gerechtigkeit fodert allezeit, daß ein Verbrechenmit der gebührenden Strafe beleget werde. Und manmuß niemals etwas Böses, ganz und gar ungeahndetlassen.
Man muß nicht mit aufgebrachtem Gemüthe, oderin Aergerniß züchtigen, weil man sonst leichtlich Zu vielthut, sondern allemal so, daß derjenige, welchen wir züch-tigen, dabei überzeuget werde, wir haben nichtSanders,als seinen eigenen Nutzen, und seine Besserung zum Zweck.Die Gerechtigkeit, siehet nicht auf den Nutzen desjenigen,der gestrafer wird, sondern fodert nur eine Gnugthuungfür das Verbrechen, sie bringet es allezeit mit sich, daßein grosses Laster, scharf gestrafet werde, und siehet nurauf den Nutzen dexerjenigen, welche an der Strafe einExempel nehmen sollen. Gott züchtiger den Frommen,aber er strafet den Gottlosen, und er ahndet das Bösean beiden.
Eben dasselbige Uebel, welches dem Frommen eine va-terliche Züchtigung ist, kann dem Gottlosen, eine ge-rechte Strafe seiner Sünden seyn.
Eltern, welche aus thörichter Liebe, ihre Kinder nichtzüchtigen wollen, werden oft, dadurch von Gott gestra-fet, daß die Kinder, ihnen ungehorsam werden , und ih-nen Herzeleid machen.
Das Wort strafen, wird auch zuweilen von einer Be-strafung mit Worten gebraucht, und in der Bibel heißt es anverschiedenen Orten so viel, als mit Ernst ermähnen, beleh-
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