i94 Zureden. Bereden. Einreden. Ueberreden.
Einreden ist starker als bereden, es giebt allemalzugleich den Begriff, daß derjenige, dem ich eine Sa>yeeinrede, von der Wahrheit oder Nothwendigkeit dersel-ben, Ungleich eine Gewißheit bekomme. Denn obgleichdie Sache, welche ich ihm einrede, an sich falsch wäre,so hatt er sie doch ans mein Einreden für w chr und , v-wiß, und - her habe ich ,'iö ihm nicht eingeredet, als biscr sie für gewiß hält; So lange er d ran zweifelt, habeich sie ihm noch nicht eingeredet. Bereden zeiget nuran, daß man jemand zu etwas bewege, ohne den Begriffzn geben, daß cr von der Wahrheit oder Nothwendigkeitd'sseibcn eine Gewißheit bekomme. Z. B. Ich habe ihnberedet, mit mir diese Reise zu thun, das will weiterni. tS 'agen, als, ich habe ihn daui bewogen. Es kannseyn, d-iß er es aus einer bloßen Gefälligkeit gegen michgethan hat, oder nur damit ich ihn nicht weiter mit Vor-stellung meiner Gründe belästigen möchte, von welchen ergenugsam eingesehen, daß sie nur schlecht sind«
Wenn ich sage: Ich habe es ihm eingeredet, daßdieses eine alte Münze ist, so gebe ich zu verstehen, daßich ihn so weit gebracht, es mit völliger Gewißheit zuglauben, und es wirklich für eine alte Münze zu hatten.Oder, ich kann es ihm nicht einreden, daß fein sogenann-ter Freund, ein Betrüger ist, das will so viel sagen: Ichkann ihn nicht von dieser Wahrheit versichern, ich kannihn nicht dahin bringen, daß erste mit Gewißheit glaube.Zum wenigsten sind diese'Redensarten viel starker, al6wenn man sagt: Ich habe ihn beredet, daß dieses einealte Münze ist, oder ich kann ihn nicht bereden, daß seinsogenannter Freund ein Betrüger ist.
Das Wort überreden hatte bei den Alten auch dieBedeutung des Ueberweisens, wie Frisck aus dem Schwa-benspiegel zeiget. Es scheinet also den Begriff zu geben,daß wir jemanden stärkere Gründe vorstellen, als er unsentgegen setzet, oder ihm solche Gründe zn Gemüthe füh-ren,