Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
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2iO Geiz Kargheit. Filzigkeit. Eigennutz. :c.

Der Geizige, ist zwar ungerecht, aber er siehet dochnoch etwas auf seine Ehre, und scheuet sich lächerlich zuwerden. Der Aargc achtet es nicht, daß man ihn bis-weilen lächerlich macht, wenn er nur d^bci sein Geld be-halten kann. Der Filzige hingegen, opfert um des Ge-winnsteö willen, auch seine Ehre selber auf.

Der Geizige, laßt wohl bisweilen, in gewissen beson-deren Fällen, noch etwas drauf gehen, sonderlich, wennes seine Ehre betrifft, oder er in andern Stücken davoneinigen Vortheil hoffen kann. Der Aarge scheuet alle-zeit die Ausgaben, und wenn er sich Ehren halber dazueinschliefen muß, so findet man doch, daß er in allenStücken etwas abbricht. Der Filzige kann sich niemalsdazu entschließen, er verliehret oft einen wichtigen Vor-theil, weil er nicht einmal etwas geringes hat auswendenwollen.

Alle diese Laster nehmen mit den Iahren zu. Vonder Kargheit kommt man zum Geiz, und von demGeiz, bis zur Filzigkeit. Sie sind auch oft mit einan-der vermischet, so, daß verbärge, in gewissen Stücken,aucl> geizig, und der Geizige, in gewissen Stücken auchfilzig ist.

Der Eigennutz, kann wohl nicht eigentlich zum Geizgerechnet werden. Ein eigennütziger Mensch, liebetzwar den Gewinn, und thut nicht leichte etwas, wovon erkeinen Vortheil hat; Allein er kann doch bisweilen dabeifreigebig seyn, und dasjenige, so er gewonnen hat, mitseinen Freunden verzehren, ja, sogar bis zur Verschwen-dung gehen, und es bloß zu seinem Vergnügen wiederdurchringen. Gemeiniglich aber, ist ein eigennützigerMensch, auch zugleich karg oder geizig, und es sind nurgewisse besondere Gelegenheiten, worin er sich freigebigbeweiset.

Der Geiz, die!Rargheir, die Filzigkeit, sind alle,zeit mit Eigennutz verknüpft.

i-4. Anatt-