Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
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240 Leihen. Lehnen. Borgen.

Man höret sowol sagen: Ich habe ihm Geld gelehnec,als, ich habe ihm Geld geliehen. Da doch beidesganz falsch ist.

Der richtige Unterschied ist dieser. Wer einem et«was znm Gebrauch giebt, das er nach der bestimmtenZeit wieder zurück geben muß: Der leihet. Wer aberetwas auf einige Zeit: zu seinem Gebrauch von einemandern nimmt, der lehner. Kurz, wer etwas giebt,der leihet. Wer etwas empfangt, der lehner. Dersel. juther braucht das Wort Leihen, beständig indemVerstände. Z. E. Freund, leihe mir Brodt. Leihenicht einem Gewaltigern als du bist. Die Sünder lel-.hen den Sündern auch.

Das Wort Lehnen kommt, so viel ich mich erin.,.nere, bei ihm nicht vor, sondern er bedienet sich anstattdessen, des Wortes Vorgen, welches dan.it aber, dochnicht völlig einerlei ist. Wir finden aber bei andernExempel davon. Herr Gottsched sagt, im Zten Theilder Weltweieheit, §. 285. Wir müßen versichert seyn,daß wir das Geliehene, von dem, der es entlehnet hat,unvcrschlimmert; und zur rechten Zeit wieder bekommenwerden, und §. 247. Es wäre in diesem Fallebillig, daß Reiher und Lehncr, den Schaden miteinandertheilen sollten. Hier siehet man den Unterschied ganzoffenbar. In dem Mexico des Faberö stehet auch ganzrecht: Hui mutuat pecumsm clat mutuo. Er leihet.Hui inuttuitur, mmuo 2LLij)it. Er lehnet.

Das Wort Borgen, gehöret zu den Mittelwör-tern, denn es bedeutet sowol Leihen als Lehnen.Man sagt, einem etwas borgen, und von einem et.was borgen. Z. E. Gottsched §, 290. Wir sindverbunden, andern etwas vorzustrecken, oder ;u borsgen. Und §. 291. Wenn jemand bei theurer ZeitGetraide von dem andern borgte. Was höret man,.öfter als dieses? Ich muß es von dem Hei rn borgen.

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