Leihen. Lehnen. Borget?. 241
„Der andere aber antwortet: Ich borge euch nicht. Herr„Gottsched macht zwischen den Wörtern Borgen und Lei-chen, aber auch den Unterschied, daß man bei dem Lei-„Heu, eben dasselbige wiederbekommt, was manausgiebt,„bei dem Borgen aber die Sache verzehret, und etwas„gleichgültiges wieder gegeben wird. Z. E. Getraide,„Holz, Geld. Dieser Unterschied aber wird sehr sparsam„beobachtet, und vielleicht dürften andere nicht durchgän-gig der Meinung seyn.,,
Der Unterschied zwischen diesen Wörtern, scheinet mirhier ganz richtig bestimmet zu seyn. Ich will also nur fol-gendes dabei bemerken:
1) Erjilich, daß es vielleicht gut seyn möchte, wennder Unterschied, welchen Herr Gottsched , zwischen Leihenund Borgen macht, beobachtet würde, unterdessen ist erdoch wirklich durch den Gebrauch nicht eingeführet, undman nimmt das Wort leihen, ganz allgemein, von allenDingen, welche einem anderen auf eine Zeitlang zu sei-nem Gebrauche gegeben werden, nicht nur wenn man ebendasselbige wieder bekommt, sondern auch wenn das gelie-hene verzehret, und etwas gleichgültiges an dessen Stellewiedergegeben wird. So stehet tue. 11. v. 5. Lieber Freund,leihe mir drei Brodte; und B.Tob. 4. v.21. Daß ich ze-hen Pfund Silber geliehen. Man fagt auch ganz ge-wöhnlich: Ich habe ihm Geld geliehen: Ich habe ihmein Malter Haber, eine Klafter Holz geliehen, und der-gleichen.
2) Zweitens, das Wort, ein Lehner, kommt auchin der Bibel vor, und zwar nicht in dem Verstände, wel-cher hier dem Worte lehnen, beigeleget wird, sondernin dem gegenseitigen. Sprüchw. Sal. 22, 7. Wer bor-?get, ist des Zehners Knecht. Und wir haben in ebendem Verstände die zusammengesetzten Wörter, belehnen,darlehnen, die Belehnung/ das Darlehen.
Sroschl.TH. Q Ans