262 Essen. Speisen. Fressen.
152. Essen. Speisen. Fressen.
er Gebrauch hat zwischen essen und speisen einen ganzbesonderen Unterschied eingeführet, nehmlich, mansaget insgemein von den Menschen, sie essen, und brauchtdieses Wort, auch von vornehmen Leuten, wenn dasje-nige dabei genannt wird, was sie essen, oder man nichtvon der ordentlichen Mahlzeit redet. Z. E. Man kann' sagen: Der König reisete sehr eilend fort, und aß nurein Stück Kuchen zum Frühstück- Hier wird man nichtsagen: Er spcisete nur ein Stück Kuchen. Ein Arzt,welcher dem Könige, in einer Krankheit, gesalzene Spei-sen verbieten wollte, wird nicht sagen: Er müsse keinegesalzene Gerichte speisen, sondern, keine gesalzene Spei-se essen. Ist aber die Rede von einer ordentlichen Mahl-zeit, welche gehalten wird, so sagt man von vornehmenlind angesehenen Leuten sie speisen, hingegen von ganzgeringen Leuten als Handwerkern, Bauern und dem Ge-sinde , sie essen. Die Herrschaft hat gcspeiset, das Ge-sinde hat gegessen.
Bisweilen heißet das Wort Speisen, soviel, alsZU lassen geben, und dann sagen wir: Wir haben unserGesinde gespeiscr. Unsere Bediente werden auf solcheWeise gespeiser. Wir haben einen Armen gcspciser,u. s. w.
Fressen, brauchet man eigentlich von den Thieren.Man muß nicht sagen: Dos Pferd, der Ochfe, derHund, die Hühner, essen, fondern, siefressen. Manbeobachtet sogar diesen Unterschied, wenn man von denWürmern redet. Die Raupen fressen die Blatter vonollen Bäumen. Die Seidenwürmer fressen nur alleindie Blatter des Maulbeerbaums. Die Maden fressenden Käse. Aber uneigentlich, sagt mcm von einem Men-schen, der übermäßig und gierig ißet, er frisser, weilmau ihn darin» einem Thiere vergleichet. Daher kommtauch das Wort ein Vielfraß, welches man bisweilen
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