Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
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Undankbarkeit. Undank. 291

doch alles was möalich ist, um Gelegenheit zn finden, wo»durch er sie einigermaßen an den Tag legen tonne.

170. Undankbarkeit. Undank.

ine solche Gemüthsbeschaffenheit des Menschen, inwel«eher er dnrch keine Wohlthaten abrührt wird, undgar nicht darauf bedacht ist, ein empfangenes Gute wiederzu vergelten, nennen wir Undankbarkeit. Eine Hand-lung, wodurch man seinem Wohlthäter, anstatt des Gu-ten, Boj^s vergilt, ist ein Undank. Rohe und einge-bildete Menschen, welche meinen, daß jedermann ihnenzu dienen verbunden sey, sind auch gemeiniglich undank-bar. Gottlose, die alle Empfindung des Gewissens unter-drücken, lohnen die Wohlthaten mitllndank.

Die Undankbarkeit, will die Wohlthaten nicht wie-der vergelten, wenn sie es gleich thun könnte. Der Unsdank, lohnet sie noch mit Böftm. Daher kommt dasSprichwort: Undank ist der tVelr Lohn.

Da man aus dem Bösen, was ein Mensch seinemWohlthäter thut, die undankbare Gemüthöbeschaffen«heit desselben ersichet, so nennet man bisweilen dergleichenböse Handlung selbst, eine Undankbarkeit, in Absichtaufdie Gemüthsbeschaffenheit, wovon sie zeuget. So kannman sagen: Judas begieng die schnödeste Undankbarskeir, da er Christum verrieth, in Absicht aufsein undank-bares Gemüth, wovon die Verrärherei ein Zeuge war.Hingegen, wenn wir sagen: Zudas lohnete Icsu mit Un-dank, da er ihn verrieth, so sehen wir mehr auf feine böseHandlung, und auf dieVerrätherei selbst.

Die Liebe zur Freiheit, bewog den Brutus zur Un?dankbarkeir gegen den Cäsar ; Aber er wollte lieber un-dankbar seyn, als sein Vaterland unterwürfig sehen, jafür alle die Wohlthaten, welche er von dem Cäsar empfan-gen hatte, lohnete er ihm sogar mit Undank, weil er sichkein Gewissen machte, ihn zu ermorden.

T 2 l?l.Dan.