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Schicksal. Verhangmß.
Verdanken, giebt uns den Vegrif einer solchenDankbarkeit, welche wirklich das empfangene Gute, aufgleiche Weise ersehet. Man sagt: Ich weis nicht, wieich ihm dieses verdanken soll, das ist, ich werde ihmnicht eben so viel Gutes wieder erweisen können. Er hatmir diese Gefälligkeit doppelt verdanket, dasist, erharmir noch einmal so viel Gefälligkeit erwiesen, als ich ihmgechan hatte.
Danken, Bedanken, Danksagen, kann manauch durch einen andern, dem wir auftragen, eöinun,serem Namen zu thun. Dankbar seyn und verdansken, kann nur allein von uns selbst geschehen.
'72. Schicksal. Verhangmß.
HH >ir verstehen durch das Schicksal, dasjenige, wasdie Lateiner lsrumnannten, nehmlich, einegewissaBestimmung der Begebenheiten undDinge, wovon unsdie Ursachen unbekannt sind. Die Heiden bildeten sichein Schicksal und Bücher des Schicksals ein, wor-in alles bestimmt seyn sollte, und dem die Götter selbstunterworfen wären. Wir gebrauchen dieses Wort vonsolchen Dingen, welche über einen Menschen ergehen,ohne daß er sie vermeiden kann, und wobei man nichtauf die Hand eines höheren Wesens siehet, welches dieseBegebenheiten herbei führet. Verhängnis), nennen wirzwar ebenfalls, die Bestimmung gewisser Begebenheitenund Zufälle, welche über uns kommen, ohne daß wir sievermeiden können, aber wir sehen dabei auf eine höhereHand, von welcher sie gclenkct werden.
Wer das Daseyn Gottes leugnet, muß alle Dingeeinem blsßen Schicksale zuschreiben; Wer aber einhöchstes Wesen erkennet, siehet alles, was ihm begegnet,als ein Verhängnis; desselben an.
Das Schicksal stellen wir uns blind, und ohne ge-wisse Absichten handelnd vor. Das Verhang-uß hakallemal gewisse Absichten in Bestimmung der Dinge.
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