Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
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Unterlasse». Ermangeln. zu

lerS, dessen wir schuldig seyn würden, wofcrne wir esnicht thäten, und die Höflichkeit braucht eben diese Re-densarten, um eine gewisse Verbindlichkeit gegen den an-deren zu erkennen zu geben.

Daher kommt es, daß das Wort Ermangeln nie-malS von solchen Dingen gebraucht wird, deren Unter-lassung, auf keinerlei Weise für einen Fehler gerechnetwerden kann. Man sagt nicht: Ich habe heute erman-gelt, zu spielen: Ich habe ermangelt, in den Gartenzugehen, lind dergleichen. Aber man kann sagen: Ichhabe es unterlassen.

Anmerk, Ohngeachtet Hr. Avelung den Unterschied tadelt,welchen ich zwischen diesen Wörtern gemacht Habs, da er bei demW^n'te ermangeln i» der Bedeutung, worin es mit unterlaisenübereinkommt, sagt:Es ist nicht , wie Hr. Stosck will, vonso eingeschränktem Gebrauche, daß es nur in solchen Fällen ge-braucht wird, die man als eine Art von Schuldigkeit ansieher:Nur daß es nicht leicht bejahender Weise vorkommt. In-dessen kann man es füglich entbehrea, da unterlassen eben dassagt.,, So finde ich doch hierin, noch keine hinlängliche Ur-fach, welche mich bewegen könnte, meine Meinung zu ändern,indem alle die Redensarten, welche Hr. Avelung selber ange-führet hat, den Degrif einer gewissen Schuldigkeit enthalten.

Man sagt: Er crmangelte nickt ;u mir ;u kommen,wenn man es als eine Schuldigkeit del! anderen ansiehet, oderzum wenigsten als eine Sache, wozu er auf gewisse Weise ver-bunden ist. Ein und das andere Beispiel kann es deutlicher ma-chen. Der Arbeiter, welchen ich auf morgen bestelle, seine Be-zahlung zu holen, wird nickt ermangeln zu mir zu kommen.Er muß es thun und ist auf gewisse Weise dazu verbunden, wenner seine Bezahlung haben will, indem ich nicht nöthig habe sieihm zu schicken. Der Soldat welchen sein Hauptmann aus denfolgende» Tag zu sich bestellet hat, wird nickt ermangeln zukommen, es ist seine Schuldigkeit und dergleichen.

Nack erhaltener Nackrickt wird man nickt erman-geln, die Delinquentin abholen ;u lassen, gibt den Begrifdaß es uns obliege, sie abholen zu lassen, und der andere hinge-gen nicht schuldig sey sie zu schicken.

Wenn das Wort ermangeln, nicht allemal wirklich, eineBeziehung auf eine gewisse Art von Schuldigkeit oder Verbind-

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