Versöhnen. Vertragen. Aussöhnen. 315
traget sich mit ihm, wenn man ihm äusserlich nicht mehrwie einem Feinde begegnet, sondern gut mit ihm um-gehet.
Ich habe diese beiden Freunde mit einander versöh-net, heißt, ich habe sie durch meine Vorstellungen und Zu-reden so weit gebracht, daß sie ihre Feindschaft abgeleget,und wieder gute Gesinnungen gegen einander gefastet ha-ben. Ich habe sie vertragen, heißt, ich habe sie so weitgebracht, daß sie sich gut begegnen, und mit einanderumgehen. Nachdem Achilles sich mit dem Agamcmnonversöhnet hatte, vertrugen sie sich ganz wohl mit ein-ander.
Ausjohnen kommt mit Versöhnen überein, nurhat es noch eine stärkere Bedeutung, e6 heißt gänzlichversöhnt machen, und zeiget eine völlige Aufhebung allerFeindschaft an, so, daß nicht der geringsteGroll oder Bit-terkeit mehr übrig bleibt. Man kann sich bisweilen mitjemand versöhnen, in so weit, daß man die Feindschaftgegen ihn fahren läßt, und bessere Gesinnungen hat, je-doch noch heimlich einigen Groll behält. Wenn man abernach und nach auch diesen Groll ableget, so ist man aus-gesöhnet.
OctaviuS versöhnete sich mit demAntonius, unddieser heirathete sogar des ersten Schwester. Allein siewurden dadurch nicht ausgesöhnet, ihre Eifersucht ge-gen einander war so groß, daß sie bald in einen neuenKrieg verwickelt wurden.
Das Wort Dcrtragen, braucht man auch in einemandern Sinn, ohne Absicht auf eine vorhergegangeneFeindschaft. Diese Brüder, diese Nachbaren, vertra-gen sich gut miteinander, das ist, sie haben eine guteAufführung gegen einander, sie thun sich nichts zuwider,sondern erzeigen sich alle mögliche Gefälligkeiten.
Anmerc. Die Redensart : Ick habe sie vertragen, ist mirgetadelt worden, und ich gestehe, daß ich anfänglich selber bei mir
anstand,