Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
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Schauen. Anschauen. Beschauen, zzi

unsere Aufmerksamkeit erwecket, sehen wir an. EinenFremden, welchen wir nicht kennen, betrachten wirgemeiniglich sehr genau-

Wer kein Kenner der Mahlerei ist, siehet ein schö-nes Gemählde, ohne e6 besonders von den anderen Vor-würfen zu unterscheiden. Wenn er aber eine Gestaltdarauf erblicket, welche seine Aufmerksamkeit erwecket,so sieher er es an. Scheinet ihm diefe Gestalt, etwasbesonderes oder merkwürdiges zu haben, so betrachteter es recht. Ein Kenner, dem die Schönheiten gleichin die Augen fallen, wird ein solches Gemählde allemalmit Aufmerksamkeit betrachten.

Besehe-,, zeiget etwas weniger an, als Betrach-ten, dieses führet den Begrif einer besondern Aufmerk-samkeit des Gemüths mit sich, jenes kann ohne grosseAufmerksamkeit geschehen. Betrachten und Ansehenwird auch von den Personen, Besehen nur allein vonden Sachen gebraucht. Man bcsicher eine gefallene Sa-che, ob sie Schaden genommen: Man gehet auf dasFeld, das Korn zu besehen, ob es gut stehe: EineMutter besieher den Finger ihres Kindes, welches sichgeschnitteil hat, ob der Schnitt tiefoder gefahrlich, u. s. w.Besehen, scheinet also jederzeit mit der Absicht verknüpftzu feyn, daß man etwas an einer Sache entdecken will.

Man braucht zwar das Wort besehen zuweilen, füretwas in Aligenschein nehmen; So sagt man: DieGemacher eines Königlichen oder Fürstlichen Schlossesbesehen: Ein Naturaliencabiner, eine Kunsikammer,eine Rüstkammer besehen, und dergleichen. Alleinauch hiebei ist doch der Begrif, daß man etwas ent-decken, oder zum wenigsten kennen lernen will. Manbestehet die Gemacher eines Schlosses, um zu entdecken,was darin schönes oder prachtiges ist, und worin sie einenVorzug vor anderen haben. Nlan besiehet ein Natu«raliencabmet, um zu entdecken, waö für verschiedene

Dinge