Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
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Unwille. Zorn. Grimm. Iachzom. 349

in einem Augenblick erhitzt, sein Geblüt ist gleich in heftj.ger Wallung, aber so bald er nur Zeit hat, die geringsteUeberlegung zu machen, kommt er auch wieder zu sich sel-ber, die Hitze verliehret sich, und er erkennet, daßcrUn«recht gethan hat.

Grimm, ist der heftigste Zorn, welcher den Men.schen gleichsam wütend macht, und ihn bewegt, in demAligenblick die schrecklichste Rache auszuüben, welche ernur immer ausüben kann. Man sagt daher: Ein Irim-migcriöwe, das ist, einiöme, welcher zudem heftigstenZorn gereizet, und so wütend gemacht ist, daß er alles zuzerreißen sucht. Ein grimmiger Krieg, das ist, einKrieg, in welchem die streitenden Partheien so sehr aufeinander erzürnet sind, daß sie gleichsam wüten, und sichauf eine ganz unmenschliche Weise begegnen.

Ehemals wurde das Wort Grimm, auch oft für ei-nen jeden hohen Grad des Zorns gebraucht, daher es inder Bibel, auch vielfaltig von Gott gesagt wird; Alleinin solcher Bedeutung ist es jetzo veraltet, und man drücketdadurch gemeiniglich einen solchen heftigen Zorn aus, wel-cher sich durch eine außerordentliche Verstellung der Ge-sichtszüge zu erkennen giebt.

Im Unwillen ahndet man eine Sache, oder strafetsie gelinde. Im Zorn und Iachzorn, suchet man siezu rächen. Im Grimm, sucht man eine grausame undschreckliche Rache.

Den Unwillen kann man leicht verbergen, wenn esnöthig ist.

Der Zorn giebt sich bald durch die Wallung des Ge-blüts, und äußerliche Gebehrden zu erkennen; Aber wereine grosse Herrschast über sich selber hat, kann es auchbisweilen so weit bringen, daß er seinen Zorn nicht mer-ken läßt.

Den Iachzorn und Grimm, kann man niemalsverbergen; Denn der erste übereilet den Menschen so plvtz-

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