Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
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Besorgen. Befürchten. Befahren. ' 351

209. Besorgen. Befürchten. Befahren.

as Wort Besorgen, heißt bisweilen so viel, alsdafür sorgen, daß etwas geschehe, oder ausgerichtetwerde. So sagt man: Das Geschäfte, welches du miraufgetragen hattest, habe ich besorger. Bisweilen aberheißt es auch, über irgend einen widrigen Zufall, odereine widrige Begebenheit, die uns zuflössen konnte, be-kümmert feyn, und nur m diesem lehren Sinn, ist es mitBefürchten gleichbedeutend.

Besorgen aber, zeiget nur blos eine gewisse Unruheund Bekümmemiß an. Befürchten hergegen, eine sol-che Unruhe, welche mit Furcht oder Angst verknüpfet ist.Das erstere wird daher nur von geringeren, das anderevon grösseren Widerwärtigkeiten gebraucht.

Man besorget dasjenige, was uns zuwider gesche-hen, oder unsere Absichten hindern kann. Man befürch-tet ein wirkliches Unglück, oder so etwas, woraus einUnglück entstehen kann. So wird man sagen: Ich be-sorge, du werdest dich in dieser Gesellschaft zum Trunkverleiten lassen. Hingegen, ich befürchte, deine Nei-gung zur Trunkenheit, werde dich einmal in Unglück stür-zen. Ich besorge, mein,Brief werde nicht recht bestelletwerden. Ich bcj?nchre, dieser Menfch möchte mit demGelde, welches ich ihm anvertrauet habe, durchgehen.Du hast nicht zu besorgen, daß ich dir werde im Wegestehen; Aber ich habe deine Vcrläumdungen und böseNachreden zu befürchten. Man besorger, das schlimmeWetter werde uns an einer Lustreise verhindern; Manbefürchtet ein Gewitter, weil es Schaden thun kann.

Mit diesen Wörtern, kommt auch das Wort besah-ren überein; Aber es ist schon einiger Maaßen veraltet,und wird jetzt im Hochdeutschen wenig mehr gebraucht, javielleicht möchte es nur noch zuweilen bei den Dichtern,um des Reims willen vorkommen. Es hat seinen Ur-

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