Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
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Gaiy, Vollständig. Vollkommen.' 389

suchen, ganz austrinken, das ganze Volk, und der-gleichen.

Vollständig, wird nur von solchen Werken ge-braucht, die aus mancherlei Theilen bestehen, welcheder Verstand des Menschen in eine gewisse Ordnunggebeacht hat. Daher s.igt man nicht: Ein vollstän-diger Tisch, eine vollstängige Mauer, denn dieseDinge bestehen nicht aus mancherlei Theilen, und sindnicht Werke des Verstandes. Aber ein vollständigesBuch, eine vollständige Zahl, ein vollständigerEntivurs, u. s. m.

In dem strengsten Verstands, ist niemand vollrom-men, als allein Gott, weil er allein alle Tugenden be-sitzt, und in einer jeglichen unendlich ist. Man sagtauch: Hier auf der Welt ist kein Mensch vollkommen,weil kein Mensch alle Tugenden an sich hat, und in de-nenjenigen selbst, die er wirklich besitzet, sich noch immerMangel befinden. Hingegen, in der Ewigkeit werdenwir vollkommen werden, weil wir alle Tugenden, indem höchsten Grade besitzen werden, dessen wir unsererNatur nach fähig sind. Die unendliche Vollkommensheit aber, bleibt allezeit einzig und allein, eine Eigen-schaft des höchsten Wesens.

In dem gemeinen Umgange, nennen wir bisweiteneinen Menschen vollkommen, wenn wir keine Fehleran ihm wahrnehmen. Wir sagen: Eins vollLomme-ne Schönheit, von einer Person, welche unseren Gedan-ken nach, alle Eigenschaften der Schönheit, in dem höch-sten Staffel besitzet: Ein vollkommener Mann, vondemjenigen, welcher die Jahre des männlichen Altersvöllig erreichet hat, oder auch tn einem andern Sinn,von demjenigen, an welchem uns keine Fehler bewußtsind, und dergleichen.

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