Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
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292 Pflicht. Schuldigkeit. Verbindlichkeit.

saaen: Es ist eine große Bürde auf diesem Wagen geladen, oder:Dieser Balken hat eine schwere Bürde zutragen; sondern mansagt: Es ist eine große Last aufgeladen, der Balken hat einegroße Last zu tragen. Mannennet den Faulen, eine unnützeLas! der Erde, nicht eine unnütze Bürde, weil die Erde keineBeschwerlichkeit davon empfindet, daß sie ihn träget.

Von einem Menschen, kann man beides sagen: Er krümmet,«der er beuget sich, unter der Last welche er tragen muß, undauch: Er krümmet sich, unter der Bürde, welche er traget.Desgleichen von einem Thiere, weil es ebenfalls die Beschwer-lichkeit empfindet. Aber man wird nicht sagen: Der Wagen,oder der Balken, bieget sich unter der Bürde, sondern, er bie-get sich unter der Last, welche darauf lieget.

Hiemit kommt auch die Etymologie überein ^ denn Bürdshat seinen Ursprung von dem alte» Worte baren, welches he-ben, oder tragen bedeutet, und ebenfalls niemals von lebloser«Dingen gebraucht wird, welche die Schwere nicht empfindenkönnen.

2Z5. Pflicht. Schuldigkeit. Verbind-lichkeit. Verpflichtet. Schuldig-Verbunden.

Mflicht, beziehet sich mehr auf dasjenige, was wir,^ vermöge unseres Gewissens, thun müssen: Schul-digkeit, auf dasjenige, was uns die Gesetze oder dieBefehle der Obern auferlegen.

Es sind dreierlei Hauprpflichren des Menfchen:Gegen Gott , gegen den Nächsten, und gegen sich selbst,diese Pflichten müssen wir, vermöge unseres Gewissens,beobachten. Je mehr Besehle von der Obrigkeit gege-ben werden, desto mehr werden uns Schuldigkeitenauferlegt.

Man braucht das Wort Pflicht, auch mehr vonden Tugenden selbst, welche wir beobachten müssen:Schuldigkeit hergegen, mehr von den Thaten undWerken, womit wir diese Tugenden beweisen.

Gott lieben, der Obrigkeit gehorsam seyn, einem je-den das Seinigc geben, sind Pflichten. Fleißig zur

Kirche