Betrachten. Erwägen. Ueberlegen. 409
Die Wörter Pein, Schmerz, 5Vel)e, haben garkeine Absicht auf die Zeit. Man kann eine kurze, undauch eine lange Zeit Pein leiden: Imgleichen eine kurze undeine lange Zeit Schmerzen ausstehen: Es smd Leute, wel-che fast beständig über Kopfwehe klagen. Diese Wörterführen insgesammt keinen Begriff einer bestimmten Zeitmit sich. Hingegen das Wort N)el)taIe, hat allemaleine Beziehung auf die Zeit, und giebt den Begriff, daßdas Leiden oder der Schmerz, nur einige Tage anhalte.Von einem Leiden, welches ganze Monathe und Jahredauert, kann man das Wort tVehrage nicht gebrau-chen.
Anmcrk. Das Wort Pein, brauchte man ehemals, auch fürStrafe, und schrieb es Peen, odcr pön. Eine Sache hoch ver«pönen, hieß so viel, als bohe Straft darauf sehe». Frisch füh-ret aus Kaisers». PoMc an, daß der Nachdruck dieses Buchs ver-boten wiri-, bei einer Pein von zehn, Mark, löthlgen Gold.'s. Zm-gleichcn h''eß Pein, vorMcrs soviel alsMühe, und davonkommtdas französische Wort peine her. Siehe Frisch im Worterb. beimWorte Pein.
Die Alten nannten die fallende Sucht, !zas bose Xvehe, unddas Fieber, das b'alceU?ehe.
245. Betrachten. Erwägen. Ueberlegen.
t^>as Wort Betrachten, wird auch von körperlichen^ Dingen gebraucht, welche man aufmerksam ansie-het. Man betrachtet ein schönes Gemählde, eine Sel-tenheit, welche man noch nicht gesehen hat, etwas ausser,ordentliches, was uns in die Augen fällt, und dergl.
Erwägen und überlegen, werden nur von solchenDingen gebraucht, welche allein das Gemüth beschäftigen.Und nur alsdann, wenn das Wort Betrachten, ebenfallsauf solche Dinge gehet, ist es mit den beiden andern gleich-bedeutend. Es bedeutet alsdann überhaupt eine Sache,welche man nur noch unvollkommen erkennet, bester undgenauer zu erkennen suchen, und man wird mehrentheilSdiesen Unterschied wahrnehmen, daß das Wort Verrach-
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