Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
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Sich gelüsten lassen. Lüstern seyn. Sich sehnen. 419

deines Nächsten Haus, als Du sollt nichc verlangen/deines Nächsten Haus.

4) Viertens, wenn man v?n weit entfernten Dingenredet, ob sie gleich das Gemüth auf eine kräftige Weiserühren, so braucht man doch das Wort verlangen. Soheißt es 2 Cor. 5. v. 2. Die Glaubigen verlangen nachihrer zukünftigen Herrlichkeit. Und wenn wir von einementfernten Freunde reden, welchen wir gewiß, in langerZeit, nicht wieder sehen können, so wird man nicht sagen:Ich begehre sehr, meinen Freund einmal wieder zu se-hen. Aber man kann ganz wohl sagen: Mich verlangetsehr, ihn einmal wieder zu sehen.

Ueberhaupt scheinet das Wort begehren, sich allemalauf etwas näheres zu beziehen, welches man sogleich, oderdoch im kurzen genießen kann; Verlangen hingegen,kann auch von solchen Dingen gesagt werden, welche nochweit entfernet sind, und welche wir erst, nach Verlauf ei-ner geraumen Zeit genießen können.

Das Wort wünschen, führet eigentlich den Begriffmit sich, daß man ein Verlangen oder Begehren mitWorten ausdrucke. Z. B. Sich den Tod 'wünschen:Jemand etwas Gutes wünschen, und dieser Begriff istauch in den zusammengesetzten Wörtern, anwünschen,erwüuschen, verwünschen. Selbst von der Redens-art: Er hat, was sein Hcrz wünscher, möchte man sa-gen können, sie zeige zugleich eine Aeußerung des Ver-langens an, daß jemand alles bekomme, wovon er sichnur merken läßt, daß er es gern haben möchte, und in sei-nem Herzen begehret Ueberdem aber drucket das Wortverlangen!, etwas ernstlicheres aus, es giebt zu erken-nen, daß wir wirklich eine Sache gern haben möchten:wünschen kann auch von solchen Dingen gesagt werden,woran uns oft wenig, oder wohl aar nichts gelegen ist.Das Verlangen ist stärker, dieN?ünscke und oft aus,schweifender. In solchem Verstände, ist das Wort

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