Teil eines Werkes 
Theil 1 (1777)
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416 Begehre». Verlangen. Wünschen. Lust habei^

lVunsch gebraucht, in der iebensgeschichte TobiasZxnauts, des weisen, a. d. ?44S.Eigentlich warder l^Vunsch der Frau Gräfin , nichts als ein plötzlicherunwillkürlicher Gedanke, an welchem das Herz keinen,,Antheil hatte, dergleichen sehr oft in den Seelen derSterblichen, wenn sie von einer angenehmen, oder unan-genehmen Sache, zu sehr erfüllet sind, wie die Dünsteaus einem vollgestopften Magen, aufzusteigen pflegen.,.Und weiter:Auch hatte die Grafin, ihren (Vunjch, soschnell als er herausgefahren war, vergessen.,,

Zu etn-asLust haben, scheinet eben wie Begehren,sich allemal auf etwas näheres zu beziehen / welches wirsogleich oder doch in kurzem genießen können. Man sagt:»Haben Sie nicht Lust zu diesem Gerichte? Ich habeLust heute spatzieren Zu gehen, und dcrgl. Aber dasBegehren ist heftiger, und daher oft mit einer gewissenUnruhe verknüpfet. Der Geizige, der das Guc seinesNächsten, der Elende, der Hülfe begehret, empfindetdabei eine Unruhe. Lust haben hingegen, drucket beider Gemüthsbewegung, welche man empfindet, eine meh-rere Ruhe, und ein gewisses Vergnügen aus.

Die Alten brauchten das Wort Gelüst/ für appeti-tu8, wie Frisch im Wörterbuche zeiget, und daher ist dasWort gelüsten, und die Redensart, sich gelüsten las-sen, entstandcn. In der Bibel, findet man das Wortgelüsten an verschiedenen Orten, für Lust haben. Z.B.5 B. Mos. 14. v. 26. Gib das Geld, um alles was deineSeele gelüstet. Ruth z. v. iz. Gelüsters ihm abernicht, dich zu nehmen, u. a. m. Die Redensart, sichgelüsten lassen, finde ich nur von verbotenen Dingen ge-braucht. 2 B. Mos. 20. v. 17. Laß dich nicht gelü-sten deines Nächsten Hauses. Sprüchw. Sal. 6. v. 25.Laß dich ihreScköne nicht gelüsten. Das erste, nehm-lich gelüsten für Lust haben, ist jetzt veraltet, und daszweite, sich gelüsten lassen, mochte man ebenfalls nicht

oft