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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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24 Erster Theil.

auf keinem Begriffe beruht, laßt sich nicht auf biologischeschließen; weil jene Art Urtheile gar nicht aufdas Objectgeht. Ebcn darum aber muß auch die ästhetische Allge-meinheit, die einem Urtheile beygelegt wird, von beson-derer Art seyn, weil sich das Prädikat der Schönheit nichtmit dem Begriffe des Objects, in seiner ganzen logischenSphäre betrachtet, verknüpft, und doch eben dasselbeüber die ganze Sphäre der Urtheilenden ausdehnt.

In Ansehung der logischen Quantität sind alle Ge-schmacksurtheile einzelne Urtheile. Denn weil ich denGegenstand unmittelbar an mein Gefühl der Lust undUnlust halten muß, und doch nicht durch Begriffe: sokönnen jene nicht die Quantität objectiv-gemeingülti-ger Urtheile haben; obgleich, wenn die einzelne Vorstel-lung des Objects des Gcschmacksurtheils nach den Be-dingungen, die das letztere bestimmen, durch Verglci-chung in einen Begrif verwandelt wird, ein logifch all-meines Urtheil daraus werden kann. Z. B. die Rose,die ich anblicke, erkläre ich durch ein Gcfchmacksurtheilfür schön; dagegen ist das Urtheil, welches durch Ver-gleichung vieler einzelnen entspringt: die Rosen über-haupt sind schön, nunmehr nicht bloß als ästhetisches, son-dern als ein auf einem ästhetischen gegründetes logischesUrtheil ausgesagt. Nun ist das Urtheil: die Rose ist(im Gebrauche) angenehm, zwar auch ein ästhetischesund einzelnes, aber kein Geschmacks-, sondern ein Sin-mnurtheil. Es unterscheidet sich nehmlich vom ersteren