Druckschrift 
Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
52
Einzelbild herunterladen
 

5,2 ' Erster Theil.

noch dieSchönheir durch die Vollkommenheit; sondernweil es nicht vermieden werden kann, wenn wir die Vor-stellung wodurch uns ein Gegenstand gegeben wird, mitdem Objecte (in Ansehung dessen was es seyn soll) durcheinen Begrif vergleichen, sie zugleich mit der Empfin-dung im Subjecte zusammen zu halten, so gewinnt dasgesammte Vermögen der Vorstellungskraft, wen»beide Gemüthszustande zusammen stimmen.

Eilt Geschmacksurtheil würde in Ansehung einesGegenstandes von bestimmtem innern Zwecke nur als-dann rein seyn, wenn deo Artheilende entweder von die-sem Zwecke keinen Vegrif hatte, oder in seinem Urtheiledavon abstrahirte. Aber alsdann würde dieser, ob ergleich ein richtiges Geschmacksurtheil Mete, indem erden Gegenstand als freye Schönheit beurtheilte, den-'noch von dem andern, welcher die Schönheit an ihm nurals anhangende Beschaffenheit betrachtet (auf den Zweckdes Gegenstandes sieht) getadelt und eines falschen Ge>schmacks beschuldigt werden, obgleich beide in ihrer Artrichtig urtheilen: der eine nach dem, was er.vor denSinnen; der andere nach dem, was er in Gedanken hat.Durch diese Unterscheidung kann man manchen Zwist derGeschmacksrichter über Schönheit beylegen, indem manihnen zeigt, daß der eine sich an die freye, der anderean die anhangende Schönheit halte, der erstere ein rei-nes, der zweyte ein angewandtes Geschmacksurtheil falle.