54 Erster Theil,
ein Muster nachahmt, zeigt sofern als er es trift, zwarGefchicklichkeit, aber nur Geschmack sofern er dieses Mu-ster selbst beurtheilen kann*). Hierausfolgt aber, daßdas höchste Muster, das Urbild des Geschmacks, einebloße Idee sei), die jeder in sich selbst hervorbringen muß,und wonach er alles, was Object des Geschmacks, wasBeyspiel der Beurtheilung durch Geschmack sey, und selbstden Geschmack von jedermann, beurtheilen muß. Ideebedeutet eigentlich einen Vernunftbegrif, und Idealdie Vorstellung eines einzelnen als einer Idee adäquatenWesens, Daher kann jenes Urbild des Geschmacks,Welches freylich auf der unbestimmten Idee der Vernunftvon einem Maximum beruht, aber doch nicht durch Besgriffe, sondern nnr in einzelner Darstellung kann vorge-stellt werden, besser das Ideal des Schönen genanntwerden, dergleichen wir, wenn wir gleich nicht im Be-sitze desselben sind, doch in uns hervorzubringen streben»Es Wird aber bloß ein Ideal der Einbildungskraft seyn,eben dgrum, weil es nicht auf Begriffen, fondern auf
Muster des Geschmacks- in Ansehung der redenden Künstemüssen in einer todten und gelehrten Sprache abgefaßt seyn:- dqs erste, um nicht die Veränderung erdulden zu müssen, wel-che die lebenden Sprache» unvermeidlicher Weise trift, daßedle Ausdrücke platt, gewöhnliche veraltet, und neugeschaffenej»'einen nur furz daurendcn Nmlauf gebracht werden; daszweyte, damit sie eine Grammati? habe, welche keinem much-willigen Wechsel der Mode unterworfen sey, sondern ihreunveränderliche Regel hchglt,