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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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55
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Critik der ästhetischen Urtheilökraft. 55

der Darstellung beruht; das Vermögen der Darstellungaber ist die Einbildungskrast. Wie gelangen wir nunzu einem solchen Ideale der Schönheit? ^ priori, oderempirisch? Jmgleichen: welche Gattung des Schönen isteines Ideals fähig?

Zuerst ist wohl zu bemerken, daß die Schönheit, zuwelcher ein Ideal gesucht werden soll, keine Vage, sonderndurch einenBegrif von objectiver Zwcckiuäßigkeit strikteSchönheit seyn, folglich keinem Objecte eines ganz rei-nen, sondern zum Theil intellectnirten Geschmacksur-theils angehören müsse. D. i. in welcher Art von Grün-den der Beurtheilung ein Ideal Statt finden foll, da mußirgend eine Idee der Vernunft nach bestimmten Begriffenzum Grunde liegen, die n priori den Zweck bestimmet,worauf die innere Möglichkeit des Gegenstandes beruht.Ein Ideal schöner Blumen, eines schönen Amöblements,einer schönen Aussicht, laßt sich nicht denken. Aber auchvon einer bestimmten Zwecken anhangenden Schönheit,z. B. einem schönen Wohnhause, einem schönen Baume,schönen Garten u. s. w., läßt sich kein Ideal vorstellen;vermuthlich weil die Zwecke durch ihren Begrif nicht ge-nug bestimmt und fixirt sind, folglich die Zweckmäßigkeitbeynahe so frey ist, als bey der VagM Schönheit. Nurdas was den Zweck seiner Existenz in sich selbst hat, derMensch, der sich durch Vernunft seine Zwecke selbst be-stimmen, oder, wo er sie von der äußern Wahrnehmunghernehmen muß, doch mit wesentlichen und allgemeinen