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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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57
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Critik der ästhetischen Urtheilökraft. 57

maßen begreiflich zu machen (denn wer kann der Naturihr Geheimniß ganzlich ablocken?) wollen wir eine psy-chologische Erklärung versuchen.

' Es ist anzumerken: daß, auf eine uns gänzlich un-begreifliche Art, die Einbildungskraft nicht allein die'Zeichen für Begriffe gelegentlich, selbst von langer Zeither, zurückzurufen; sondern auch das Bild und die Ge-stalt des Gegenstandes aus einer unaussprechlichen Zahlvon Gegenständen verschiedener Arten, oder anch einerund derselben Art, zu reproduciren; ja auch, wenn dasGemüth es auf Vergleichungen anlegt, allem Vermu-then nach wirklich, wenn gleich nicht hinreichend zumBewußtseyn, ein Bild gleichsam auf das andere fallenzu lassen, und, durch die Congruenz der mehrern vonderselben Art, ein Mittleres herauszubekommen wisse,welches allen zum gemeinschaftlichen Maaße dient. Je-mand hat taufend erwachsene Mannspersonen gesehen»Will er nun über die Vergleichungsweise zu schätzendeNormalgröße urtheilen, so läßt (meiner Meynung nach)die Einbildungskraft eine große Zahl der Bilder (viel-leicht alle jene taufend) auf einander fallen; und, wennes mir erlaubt ist, hieben die Analogie der optifchenDar-stellung anzuwenden, in dem Ranm wo die meisten sichvereinigen, und innerhalb dem Umrisse wo der Platzmit der an; stärksten aufgetragenen Farbe illuminirt ist,da wird die mittlere Größe kenntlich, die sowohl derHöhe als Breite nach von den äußersten Gränzen der

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