58 Erster Theil.
größten und kleinsten Staturen gleich weit entfernt ist.vnd dies ist die Stacur für einen schönen Mann. (Mankönnte ebendasselbe mechanisch heraus bekommen, wennman alle tausend maße, ihre Höhen unter sich nebst Brei-ten (und Dicken) für sich zusammen addirte, und dieSumme durch tausend dividirte. Allein die Einbildungs-kraft thut eben dieses durch einen dynamischen Effect,der ans der vielfältigen Auffassung solcher Gestalten aufdas Organ des innern Sinnes entspringt.) Wenn nunauf ähnliche Art für diesen mittlern Mann der mittlereKopf, für diesen die mittlere Nase u. s.w, gesucht wird:so liegt diese Gestalt der Normalidee des schönen Man-nes, in dem Lande wo diese Vergleichung angestellt wird,zum Grund; daher ein Neger nothwendig unter diesenempirischen Bedingungen eine andere Normalidce derSchönheit der Gestalt haben muß, als ein Weißer, derChinese eine andere, als der Europaer. Mit dem Mu-ster eines schonen Pferdes oder Hundes (von gewisserRace) würde es eben fo gehen. — Diese Normalideeist nicht aus von der Erfahrung hergenommenen Propor-tionen, als bestimmten Regeln, abgeleitet; sondernnach ihr werden allererst Regeln der Beurtheilung mög-lich. Sie ist das zwischen allen einzelnen, auf mancher-ley Weise verschiedenen, Anschauungen der Individuenschwebende Bild für die ganze Gattung, welches dieNatur zum Urbilde ihrer Erzeugungen in derselben Spe-cies unterlegte, aber in keinem Einzelnen völlig erreicht