Critik der ästhetischen Urtheilskraft. 59
zu haben scheint. Sie ist keineöweges das ganze Urbildder Schönheit in dieser Gattung, sondern nur dieForm, welche die unnachläßliche Bedingung aller Schön-heit ausmacht, mith.in bloß die Richtigkeit in Dar-stellung der Gattung. Sie ist, wie man Polycletsberühmten DoryplMUs nannte, die Regel (ebendazu konnte auch MyrvNs Kuh in ihrer Gattung ge-braucht werden). Sie kann eben darum auch nichtsSpecifisch- Charatteristisches enthalten; denn sonst wäresie nicht Normalidee für die Gattung. Ihre Darstel-lung gefällt auch nicht durch Schönheit, sondern bloßweil sie keiner Bedingung, unter welcher allein ein Dingdieser Gattung schön seyn kann, widerspricht. Die Dar-stellung ist bloß schulgerecht
Von der Normalidee des Schönen ist doch nochdas Ideal desselben uuterschieden, welches man ledig-lich an der menschlichen Gestalt aus schon angeführ-ten Gründen erwarten darf. An dieser nun besteht dasIdeal in dem Ausdrucke de6 Sittlichen, ohne welches
') Man wird finden, daß ein vollkommen regelmäßiges Ge-,ficht, welches der Maler ihm zum Modell zu sitzen bittenmochte, gemeiniglich nichts sagt; weit es nichts Charakte-ristisches enthalt, also mehr die Idee der Gattmig, als dasSpecifische einer Person ausdrückt, DasCharaeteristischevondieser Art, was übertrieben ist, d,i. welches der Normalidee(der Zweckmäßigkeit der Gattung) selbst Abbruch thut, heißtCarricc-cur. Auch zeigt die Erfahrung : daß jene ganz regel-mäßige» Gesichter im Innern gemeiniglich auch nur einen