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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
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61
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Critik der ästhetischen Urtheilskraft. 6l

theilung nach einem Ideale der Schönheit kein bloßesUrtheil des Geschmacks sey.

Aus diesem dritten Momente geschlossene Er-klärung des Schönen.

Schönheit ist Form der Zweckmäßigkeit einesGegenstandes, sofern sie, ohne Vorstellung einesZwecks, an ihm wahrgenommen wird

») Man könnte Wider diese Erklärung als Instanz anführen:daß es Dinge giebt, an denen man eine zweckmäßige Forinsieht ohne an ihnen einen Zweck zu erkennen: z. V. dieöfter aus c lte» Grabhügeln gezogenen, mit einem Loche alszu einem Hefte, versehene» steinernen Gerüche; die, ob siezwar in ihrer Gestalt deutlich eine Zweckmäßigkeit verra-then für die man den Zweck nicht kennt, darum gleich-wohl nicht für schon erklart werden. Allein, daß man siefür ein Kunstwerk ansieht, ist schon genug, um gestehenzu müssen, daß man ihre Figur auf irgend eine Absichtund einen bestimmten Zweck bezicht. Daher auch gar keinunmittelbares Wohlgefallen an ihrer Anschauung. EineBlume hingegen, z. B. eine Tulpe, wird für schön ge-halten, weil eine gewisse Zweckmäßigkeit, die so- wie wirsie beurtheilen, auf gar keinen Zweck bezogen wird, in ih-rer Wahrnehmung angetroffen wird.