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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
63
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Critik der ästhetischen Urtheilskraft. 6z

Urtheil, was wie Beyspiel einer allgemeinen Regel, dieman nicht angeben kann, angesehen wird. Da ein ästhe-tisches Urtheil kein objectives und Erkenntnißurtheil ist,so kann diese Nothwendigkeit nicht aus bestimmten Be-griffen abgeleitet werden, und ist also nicht apodictisch.Viel weniger kann sie aus der Allgemeinheit der Erfah-rung (von einer durchgangigen Einhelligkeit der Urtheileüber die Schönheit eines gewissen Gegenstandes) ge-schlossen werden. Denn nicht allein, daß die Erfahrunghiezu schwerlich hinreichend viele Beläge schaffen würde,so läßt sich auf empirische Urtheile kein Vegrif derNothwendigkeit dieser Urtheile gründen.

§. 19-

Die subjective Nothwendigkeit, die wir demGeschmacksurtheile beylegen, ist bedingt.

Das Eeschmacksurtheil sinnet jedermann Verstim-mung an; und, wer etwas für schon erklärt, will, daßjedermann dem vorliegenden Gegenstande Beyfall gebenund ihn gleichfalls für schön erklären solle. Das Sol-len im ästhetischen Urtheile wird also selbst nach alle»Datis, die zur Beurtheilung erfordert werden, doch nurbedingt ausgesprochen. Man wirbt um jedes andernBeystimmung, weil man dazu einen Grund hat, derallen gemein ist; auf welche Beystimmung man auchrechnen könnte, wenn man nur immer sicher wäre, daß