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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
73
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Critik der ästhetischen Urtheilskraft. 7z

nach allen Regeln der Tonkunst geführt wird: weil man desletzter», wenn er oft und lange Zeit wiederholt wird, weiteher nbcrdrüßig wird. Allein hier vertauschen wir vermuth,lich unsere Theilnehmnng an der Lustigkeit eines kleinen be-liebten Thierchcns mir der Schönheit seines Gc.angcs, derwenn er vom Menschen (wie dies mit dem Schlagen der,Nachtigall bisweilen geschieht) ganz genau nachgeahmetwird, unserm Ohre ganz geschmacklos zu seyn dünkt.

Noch sind schöne Gegenstände von schönen Aussichten aufGegenstände (die öfter der Entfernung wegen nicht mehrdeutlich erkannt werden können) zu unterscheiden. In denletzter» scheint der Geschmack nicht sowohl an dem, wasdie Einbildungskraft in diesem Felde auffaßt, als vielmehran dem, was sie hieben zu dichten Anlaß bekommt, d. i.an den eigentlichen Phantasieen, womit sich das Gemüthunterhalt, während es durch die Mannichfaltigkeit aufdie das Auge stößt, continuirlich erweckt wird, zu haften;so wie etwa bey dem Anblick der veränderlichen Gestalteneines Caminfeuers, oder eines rieselnden Baches, welchebeide keine Schönheiten sind, aber doch für die Einbil-dungskraft einen Reiz bey sich führen, weil sie ihr freyesSpiel unterhatten.

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