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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
75
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Critik der ästhetischen Urteilskraft. 7^

Allein es sind auch namhafte Unterschiede zwischenbeiden in die Augen fallend. Das Schöne der Naturbetrist die Form des Gegenstandes, die in der Begran-zung besieht; das Erhabene ist dagegen anch an einemformlosen Gegenstande zn finden, sofern NnöegranZt-heit all ihm, oder durch dessen Veranlassung, vorge-stellt und doch Totalitat derselben hinzugedacht wird: sodaß das Schöne für die Darstellung eines mibcsiimm-ten Vcrstandesbegrifs, das Erhabene aber, eines der-gleichen Vernunfrbegrifs, genommen zu werden scheint.Also ist das Wohlgefallen dort mit der Vorstellung derQualität, hier aber der Quantität verbunden. Auchist das letztere der Art nach von dem ersteren Wohlgefal-len gar sehr unterschieden: indem dieses (das Schöne)directe ein Gefühl der Beförderung des Lebens bey sichführt, und daher mit Reizen und einer spielenden Ein-bildungskraft vereinbar ist; jenes aber (das Gefühl desErhabenen) eine Lust ist, welche nur indirecte entspringt,nehmlich so daß sie durch das Gefühl einer augenblick-lichen Hemmung der Lebenskräfte und darauf sogleich fol-genden desto starkem Ergießung derselben erzeugt wird,mithin als Rührung kein Spiel, sondern Ernst in derBeschäftigung der Einbildungskraft zu seyn scheint. Da-her es auch mit Reizen unvereinbar ist; und, indem dasGemüth von dem Gegenstände nicht bloß angezogen, fon-dern wechselsweise auch immer wieder abgestoßen wird,das Wohlgefallen am Erhabenen nicht sowohl positive