Druckschrift 
Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
82
Einzelbild herunterladen
 

8- - Erster Theil.

habe, wenigstens mit keinem objectiven Maaße, weildadurch gar nicht bestimmt wird, wie groß der Gegen»stand sey. Ob aber gleich der Maaßstab der Vergleichungbloß subjectiv ist, so macht das Urtheil nichts desto weni-ger auf allgemeine Bestimmung Anspruch; die Urtheile ider Mann ist schön und er ist groß, schranken sich nicht bloßaufdas urtheilende Subject ein, sondern verlangen, gleichtheoretischen Urtheilen, jedermanns Beystimmung.

Weil aber in einem Urtheile, wodurch etwas schlecht»weg als groß bezeichnet wird, nicht bloß gesagt werdenwill, daß der Gegenstand eine Größe habe, sondern dieseihm zugleich vorzugsweise vor vielen andern gleicher Artbeygelegt wird, ohne doch diesen Vorzug bestimmt anzu-geben; so wird demselben allerdings ein Maaßstab zumGrunde gelegt, den man für jedermann, als eben den-selben, annehmen zu können voraussetzt, der aber zukeiner logischen (mathematisch-bestimmten), sondernnur ästhetischen Beurtheilung der Größe brauchbar ist,weil er ein bloß subjectiv dem über Größe reflectirendenUrtheile zum Grnnde liegender Maaßsiab ist. Er magübrigens empirisch seyn, wie etwa die mittlere Größe deruns bekannten Menschen, Thiere von gewisser Art, Bau-mc, Hauser, Berge, u. d.gl.z oder ein :i i^imi gegebenerMaaßstab, der durch die Mangel des beurtheilenden Sub-jects auf subjective Bedingungen der Darstellung Incvncrerc, eingeschränkt ist: als im Practischen, die Großeeiner gewissen Tugend, oder der öffentlichen Freyheit und