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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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Critik der ästhetischen Urtheisskraft. 85

ist, auf diesen Fuß betrachtet, erhaben zu nennen. Abereben darum, daß in unserer Einbildungskraft ein Bestre-ben zum Fortschritte ins Unendliche, in unsererlVernunftaber ein Anspruch auf absolute Totalitat, als auf einereelle Idee liegt: ist selbst jene Unangemessenhcit unseresVermögens der Größenschätzung der Dinge der Sinnen-welt für diese Idee, die Erweckung des Gefühls einesübersinnlichen Vermögens in uns; und der Gebrauch,den die Urtheilskraft von gewissen Gegenstanden zumBehuf des letztern (Gefühls) natürlicher Weife macht,nicht aber der Gegenstand der Sinne, ist schlechthingroß, gegen ihn aber jeder andere Gebrauch klein. Mit-hin ist die Geistesstimmung durch eine gewisse die refiec-tirende Urtheilskraft beschäftigende Vorstellung, nichtaber das Object, erhaben zu nennen.

Wir können also zn den vorigen Formeln der Er-klärung des Erhabenen noch diese hinzuthun: Erha-ben ist, was auch nur denken zu können einVermögen des Gemüths beweiset, das jedenMaaßstab der Sinne übertrift.

§. 26.

Von der Größenschatzung der Naturdinge, diezur Idee des Erhabenen erforderlich ist.

Die Größenschatzung durch Zahlbegriffe (oder derenZeichen in der Algebra) ist mathematisch, die aber in derbloßen Anschauung (nach dem Augenmaaße) ist ästhe-

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