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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
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86
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86 Erster Theil.

tisch. Nun können wir zwar bestimmte Begriffe davon,wie groß etwas sey) nur durch Zahlen (allenfalls An-näherungen durch ins. Unendliche fortgehende Zahlrei-hen) bekommen, deren Einheit das Maaß ist; und so-fern ist alle logische Größenfchatzung mathematisch. Al-lein da die Größe des Maaßes doch als bekannt an-genommen werden muß, so würden, wenn diese nunwiederum nur durch Zahlen, deren Einheit ein anderesMaaß seyn müßte, mithin mathematisch geschätzt wer-den sollte, wir niemals ein erstes oder Gruudmaaß,mithin auch keinen bestimmten Begrif von einer gege-benen Größe haben können. Also muß die Schätzungder Größe des Grundmaaßcs bloß darin bestehen, daßman sie in einer Anschauung unmittelbar fassen unddurch Einbildungskraft zur Darstellung der Zahlbegriffebrauchen kann: d. i. Alle Größenschatzung der Gegen-stande der Natur ist zuletzt ästhetisch (d. i. subjectivund nicht objectiv bestimmt).

Nun giebt es zwar für die mathematifche Größen-schatzung kein Größtes (denn die Macht der Zahlen gehtins Unendliche); aber für die ästhetische Größenschatzunggiebt es allerdings ein Größtes: und von diesem sageich: daß, wenn es als absolutes Maaß, über das keingrößeres subjectiv (dem benrtheilendcn Subject) möglichsey, beurtheilt wird, es die Idee des Erhabenen bey sichführe, und diejenige Rührung, welche keine mathema-tische Schätzung der Größen durch Zahlen <es sey denn,