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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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87
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Critik der ästhetischen Urtheilskraft. 87

so weit jenes ästhetische Grundmaaß dabei in der Ein-bildungskraft lebendig erhalten wird) bewirken kann,hervorbringe: weil die letztere immer nur die relativeGröße durch Vergleichung mit andern gleicher Art, dieerstere aber die Größe schlechthin, so weit das Gemüthsie in einer Anschauung fassen kann, darstellt.

Anschaulich ein Quantum in die Einbildungskraftaufzunehmen, um es zum Maaße, oder als Einheit, zurGrößenschätzung durch Zahlen brauchen zn können, da-zu gehören zwey Handlungen dieses Vermögens: Auf-fassung (sxprskenllo), und Zusammenfassung (coni-^Ivlisnüo ssMietica).' Mit der Auffassung hat es lei-ne Noth: denn damit kann es ins Unendliche gehen;aber die Zusammenfassung wird immer schwerer, jeweiter die Auffassung fortrückt, und gelangt bald zuihrem Maximum , nehmlich dem ästhetisch - größtenGruudmaaße der Größenfchatzung. Denn, wenn dieAuffassung fo weit gelanget ist, daß die zuerst aufge-faßten Theilvorstellungen der Sinnenanschauung in derEinbildungskraft schon zu erlöschen anheben, indeß daßdiese zu Auffassung mehrerer fortrückt; so verliert sieauf einer Seite eben so viel, als sie ans der anderngewinnt, und in der Zusammenfassung ist ein Größtes/über welches sie nicht hinauskommen kann.

Daraus laßt sich erklären, was SaVaN) in fcinmNachrichten von Ägypten anmerkt: daß man den Py-ramiden nicht sehr nahe kommen, eben so wenig als zu

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