88 Erster Theil.
weit davon entfernt seyn müsse, um die ganze Rührungvon ihrer Größe zu bekommen. Denn ist das letztere, sosind die Theile, die aufgefaßt werden (die Steine dersel-ben übereinander), nur dunkel vorgestellt, und ihre Vor-stellung thut keine Wirkung auf das ästhetische Urtheildes Subjects. Ist aber das erstere, so bedarf das Augeeinige Zeit, um die Auffassung von der Grundflache biszur Spitze zu vollenden; in dieser aber erlöschen immerzum Theil die ersteren, ehe die Einbildungskraft dieletzteren aufgenommen hat, und die Zusammenfassung istm'e vollständig. — Eben dasselbe kann auch hinreichen,die Bestürzung, oder Art von Verlegenheit, die, wieman erzahlt, den Zuschauer in der St. Peterskirche inRom beym ersten Eintritt anwandelt, zu erklaren. Dennes ist hier ein Gefühl der Unangemessenhcit seiner Ein-bildungskraft für die Ideen eines Ganzen, um sie dar-zustellen, worin die Einbildungskraft ihr Marimum er-reicht, und, bey der Bestrebung es zu erweitern, in sichselbst zurück sinkt, dadurch aber in ein rührendes Wohl-gefallen verfetzt wird.
Ich will jetzt noch nichts von dem Grunde diefesWohlgefallens anführen, welches mit einer Vorstellung,wovon man es am wenigsten erwarten sollte, die nehm-lich uns die Unangemessenheit, folglich auch fubjectiveUnzweckmäßigkeit der Vorstellung für die Urtheilskraft inder Größcnschatzung merken laßt, verbunden ist; son-der» bemerke nur, daß, wenn das ästhetische Urtheil