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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
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89
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Critik der ästhetischen Urtheilskraft. 89

rein (mit keinem teleologischen als Vernunftur-theile vermischt), und daran ein der Critik der ästhe-tischen Urtheilskraft völlig anpassendes Beyspiel gege-ben werden soll, man nicht das Erhabene an Kunstpro-ducten (z. B. Gebäuden, Säulen, u. s. w.), wo einmenschlicher Zweck die Form sowohl als die Größe be-stimmt, noch an Naturdingen, deren Begrif schoneinen bestimmten Zweck bey sich führt (z.B.Thieren von bekannter Naturbestimmung), sondern ander rohen Natur (und an dieser sogar nur, sofern siefür sich keinen Reiz, oder Rührung aus wirklicher Ge-fahr, bey sich führt), bloß sofern sie Größe enthalt, auf-zeigen müsse. Denn in dieftr Art der Vorstellung ent-hält die Natur nichts, was ungeheuer (noch was präch-tig oder gräßlich) wäre; die Größe, die aufgefaßt wird,mag so weit angewachsen seyn als man will, wenn sienur durch Einbildungskraft in ein Ganzes zusammenge-faßt werden kann. Ungeheuer ist ein Gegenstand,wenn er durch feine Größe den Zweck, der den Bcgrifdesselben ausmacht, vernichtet. Colossalisch aber wirddie bloße Darstellung eines Bcgrifs genannt, die füralle Darstellung beinahe zu groß ist (an das relativUngeheure gränzt); weil der Zweck der Darstellung einesVegrifs dadurch, daß die Anschauung des Gegenstan-des für unser Auffassungsvermögen beinahe zu groß ist,erschwert wird. Ein reines Urtheil über das Erha-bene aber muß gar keinen Zweck des Objects zum Be-

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