Critik der ästhetischen Urteilskraft. io^z
erhaben, gelten, sofern sie als Gegenstand der Furchtbetrachtet wird.
Man kann aber einen Gegenstand als furchtbarbetrachten, ohne sich vor ihm zn furchten, wenn wirihn nehmlich so beurtheilen, daß wir uns bloß den Falldenkeil, da wir ihm etwa Widerstand thun, wollten,und daß alsdann aller Widerstand bey weitem vergeblichseyn wurde. So fürchtet der Tugendhafte Gott, ohnesich vor ihm zu fürchten, weil er ihm und feinen Gebotenwiderstehen zu wollen, sich als keinen von lhttl besorgli-chen Fall denkt. Aber anf jeden solchen Fall, den erals an sich nicht unmöglich denkt, erkennt er Ihn alsfurchtbar.
Wer sich fürchtet, kann über das Erhabene der Na-tur gar nicht urtheilen, sowenig als der welcher dnrchNeigung und Appetit eingenommen ist, über das Schöne.Jener fliehet den Anblick eines Gegenstandes, der ihmScheu einjagt; und es ist unmöglich, an einem Schre-cken, der ernstlich gemeynt Ware, Wohlgefallen zu finden.Daher ist die Annehmlichkeit aus dem Aufhören einerBeschwerde das Frohfeytl. Dieses aber, wegen derVcfreyung von einer.Gefahr, ist ein Frohseyn mit demVorsatze, sich derselben nie mehr auszusetzen: ja manmag an jene Empfindung nicht einmal gerne zurück-denken, weit gefehlt daß man die Gelegenheit dazuselbst aufsuchen sollte.
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