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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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105
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Cricikder ästhetischen Urtheilskraft. 105

Wesen betrachtet, zwar unsere physische Ohnmacht zuerkennen, aber entdeckt zugleich ein Vermögen, uns alsvon ihr unabhängig zu beurtheilen,' und eine Überle-genheil über die Natur, worauf sich eine Selbsterhaltnngvon ganz andrer Art gründet, als diejenige ist die vonder Natur außer uns angefochten und in Gefahr ge-bracht werden kaun, wobei) die Menschheit in unsererPerson unernicdrigt bleibt, obgleich der Mensch jenerGewalt unterliegen müßte. Ans solche Weise wird dieNatur in unserm ästhetischen Urtheile nicht, sofern siefurchterregend ist, als erhaben beurtheilt, sondern weilsie unsere Kraft (die nicht Natur ist) in uns aufruft,um das, wofür wir besorgt sind (Güter Gesundheit undLeben) als klein, und daher ihre Macht (der wir in An-sehung dieser Stücke allerdings umerwsrsen sind) füruns und unsere Persönlichkeit demungeachtet doch fürkeine solche Gewalt ansehen, unter die wir uns zu beu-gen hatten, wenn es auf unsere höchsten Grnndsatze undderen Behauptung oder Verlassung ankäme. Also heißtdie Natur hier erhaben, bloß w.eil sie die Einbildungs-kraft zu Darstellung derjenigen Falle erhebt, in welchen. daö Gemüeh die eigene Erhabenheit seiner Bestimmung,selbst über die Natur, sich fühlbar machen kann.

Diese Selbstschatzung verliert dadurch nichts, daßwir uns sicher sehen müssen, um dieses begeisternde Wohl-gefallen zu empfinden; mithin, weil es mit der Gefahrnicht Ernst ist, es auch (wie es scheinen möchte) mit der

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