io6 Erster Theil.
Erhabenheit unseres Geistesvermögens eben so wenigEriist seyn möchte. Denn das Wohlgefallen betrift hiernur die sich in solchem Falle entdeckende Bestimmungunseres Vermögens, so wie die Anlage zu demselben inunserer Natur ist; indessen daß die Entwickelung undÜbung desselben uns überlassen und obliegend bleibt.Und hierin ist Wahrheit; so sehr sich auch der Mensch,wenn er seine Reflexion bis dahin erstreckt, seiner gegen»wartigen wirklichen Ohnmacht bewußt seyn mag.
Dieses Princip scheint zwar zu weit hergeholt undvernünftelt, mithin für ein ästhetisches Urtheil über-schwenglich zu seyn; allein die Beobachtung des Men-schen beweiset das Gegentheil, und daß es beu gemein-sten Beurtheilungen zum Grunde liegen kann, ob mansich gleich desselben nicht immer bewußt ist. Denn was,ist das, was selbst dem Wilden ein Gegenstand der größ-ten Bewunderung ist? Ein Mensch der nicht erschrickt,der sich nicht fürchtet, also der Gefahr nicht weicht, zu-gleich aber mit völliger Überlegung rüstig zu Werke geht.Auch im allergestttetsien Zustande bleibt diese vorzüglicheHochachtung für den Krieger; nur daß man noch dazuverlangt, daß er zugleich alle Tugenden des Friedens,Sanftmuth, Mitleid, und selbst geziemende Sorgfalt fürseine eigne Person beweise: eben darum, weil daran dieUnbezwinglichkeit seines Gemüths durch Gefahr erkanntwird. Daher mag man noch fo viel in der Vergleichuugdes Staatsmanns mit dem Feldherrn über die Vorzüg-