Crttik der ästhetischen Urtheilökraft. 107
l-chkeit der Achtung, die einer vor dem andern verdient,streiten; das ästhetische Urtheil entscheidet für den letz-ter». Selbst der Krieg, wenn er mit Ordnung undHci-ligachtung der bürgerlichen Rechte geführt wird, hatetwas Erhabenes an sich, und macht zugleich die Den-kungsart des Volks, welches ihn auf diese Art führt,nur um desto erhabener, je mehreren Gefahren es aus-gefetzt war, und sich muthig darunter hat behaupten kön-nen: da hingegen ein langer Frieden den bloßen Han-delsgeist, mit ihm aber den niedrigen Eigennutz, Feig-heit und Weichlichkeit herrschend zu machen, und dieDenkungsart des Volks zu erniedrigen pflegt.
Wider diese Auflösung des Degriss des Erhabenen,sofern dieses der Macht beygelegt wird, scheint zu strei-ten: daß wir Gott im Ungewitter, im Sturm, im Erd-beben u. d. gl. als im Zorn, zugleich aber auch in seinerErhabenheit sich darstellend vorstellig zu machen pflegen,wobey doch die Einbildung einer Überlegenheit unseresGemüths über die Wirkungen, und/ wie es scheint, garüber die Absichten einer solchen Macht, Thorheit undFrevel zugleich seyn würde. Hier scheint kein Gefühl derErhabenheit unserer eigenen Natur, sondern vielmehrUnterwerfung, Niedergeschlagenheit, und Gefühl derganzlichen Ohnmacht, die Gemüthsstimmung zu seyndie sich für die Erscheinung eines solchen Gegenstandesschickt, und auch gewöhnlichermaaßen mit derIdee dessel-ben bey dergleichen Naturbegebenhcit verbunden zu seyn