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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
108
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ic>z , Erster Theil.

pstcgt. Jlt der Religion überhaupt scheint Niedcrwtt,ftu, Anbetung mit niederhangcndcm Haupte, mit zer-knirschten angstvollen Gebehrden und Stimmen, daseiuzigschickliche Benehmen in Gegenwart der Gottheit zuseyn, welches daher auch die meisten Völker angenom-men haben und noch beobachten. Allein diese Gemüths-siimmung ist auch bey weitem nicht mit der Idee derErhabenheit einer Religion und ihres Gegenstandesan sich und nothwendig verbunden. Der Mensch, dersich wirklich fürchtet, weil er dazu in sich Ursache findet,indem er sich bewußt ist, mit seiner verwerflichen Gesin-nung wider eine Macht zu verstoßen deren Wille unwi-derstehlich und zugleich gerecht ist, befindet sich gar nicht inder Gemüthsfassung, um die göttliche Größe zu bewun-dern, wozu eine Stimmung zur ruhigen Contemplationund ganz freyes Urtheil erforderlich ist. Nur alsdann,wenn er sich seiner aufrichtigen gottgefälligen Gesinnungbewußt ist, dienen jene Wirkungen der Macht, in ihmdie Idee der Erhabenheit dieses Wesens zu erwecken, so-fern er eine dessen Willen gemäße Erhabenheit der Ge-sinnung bey sich selbst erkennt, und dadurch über dieFurcht vor solchen Wirkungen der Natur, die er nichtals Ausbrüche seines Zorns ansieht, erhoben wird.Selbst die Demuth, als nnnachsichtliche Beurtheilungseiner Mangel, die sonst, beym Bewußtseyn guter Ge-sinnungen, leicht mit der Gebrechlichkeit der menschlichenNatur bemäntelt werden könnten, ist eine erhabene Ge-