Critik der ästhetischen Urtheilökraft. 117
über das Erhabene diese Gemalt durch die Einbildungskraftselbst, als durch ein Werkzeug der Vernunft, ausgeübt vor,gestellel wird.
Das Wohlgefallen am Erhabenen der Natur ist daherauch nur negativ (statt dessen das am Schönen positivist), nehmlich ein Gefühl der Beraubung der Freyheil derEinbildnngLkraft durch sie selbst, indem sie nach eincm an-dern Gesetze, als dem des empirischen Gebrauchs, zweck-mäßig bestimmt wird. Dadurch bekommt sie eine Enveire,rung und Mackt, welche größer ist, als die welche sie aus»opfert, deren Grund aber ihr selbst verborgen ist, statt des-sen sie die Aufopferung oder die Beraubung, und zugleichdie Ursache fühlt, der sie unteiworfen wird. Die Verwun-derung, die an Schreck gränzt, das Grausen und der hei-lige Schauer, welcher den Zuschauer bey dem Anblicke him->ne>ansteigendcr Gebirgsmasftn, tiefer Schlünde und darintobender Gewässer, tiesbeschatteter, zum schwermüthigenNachdenken einladender Einöden u. s. w. ergreift, ist, beyder Sicherheit worin er sich weiß, nicht wirkliche Fnrcht,sondern nur ein Versuch, uns mit der Einbiidungsk'-astdarauf einzulassen, um die Macht ebendcsselben Vermögenszu fühlen, die dadurch erregte Bewegung des Gemürhs mitdein Ruhestände desselben zu verbinden, und so der Naturin uns selbst, mithin auch der außer uns, sofern sie auf dasGefühl unseres Wohlbefindens Einfluß haben kann, über-legen zu seyn. Denn die Einbildungskraft nach dem Asso?ciationsgcsetze macht unseren Zustand der Zufriedenheit phy-sisch abhängig; aber eben dieselbe nach Principien des Sche-mcmems der Urtheilskrast (folglich sofern der Freyheit un-tergeordnet), ist Werkzeug der Vernunft und ihrer Ideen,als solches aber eine Macht, unsere Unabhängigkeit ge-gen die Natureinflüsse zu behaupten, das, was nach der
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