Druckschrift 
Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
118
Einzelbild herunterladen
 

Erster Theil.

letzteren groß ist, als klein abzuwürdigen, und so dasSchlechthin-Große nur in seiner (des Subjects) eigenenBestimmung zu setzen. Diese Reflexion der ästhetischenUrtheilekraft, zur Angemcsscnheit mit der Vernunft (nurohne einen bestimmten Begrif derselben) zu erheben, stelltden Gegenstand, selbst durch die objective Unangcmessenh.itder Einbildungskraft, in ihrer größten Erweiterung für dieVernunft (als Vermögen der Ideen) dennoch als subjcc-tiv-zweckmäßig vor.

Man muß hier überhaupt darauf Acht haben, was obenschon erinnert worden ist, daß in der transcendentalen Äsche,tik der l'rthetlskrast lediglich von reinen ästhetischen Urtheilendie Nede seyn müsse, folglich die Beyspiele nicht von solchenschönen oder erhabenen Gegenständen der Natnr hergenom-men werden dürfen, die den Begris von einem Zwecke vor,aussetzen; denn alsdann würde es entweder teieologifche,oder sich auf bloßen Empfindungen eines Gegenstandes (Ver-gnügen oder Schmerz) gründende, mithin im ersteren Fallenicht ästhetische, im zweyten nicht bloße formale Zweckmäßig-keit seyn. Wenn man also den Anblick des bestirnten Him-mels erhaben nennt, so muß man der Beurtheilung dessel,den nicht Begriffe von Welten, durch vernünftige Wesen be<wvhut, und mm die hellen Puncte womit wir den Raumliber uns crfüllr sehe», als ihre Sonnen in sehr zweckmäßigfür sie gestellten Kreisen bewegt, zum Grunde legen, so»,dcrn bloß, wie man ihn sieht, als ein weites Gewölbe, dasalles befaßt; und bloß unter dieser Vorstellung müssen wirdie Erhabenheit setzen, die ein reines ästhetisches Urtheil die-sem Gegenstande beylegt. Eben so den Anblick des Oceansnicht so, ivie wir, mir allerley Kenntnissen (die aber nichtin der unmittelbaren Anschauung enthalten sind) bereichert,ihn denken; etwa als ein weites Reich von Wassergeschö-