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Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
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119
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Critik der ästhetischen Urtheilskraft. 119

pfen, als den großen Wasserschatz für die Ausdünstungen welchedie Luft mit Wolken zum Behuf der Länder beschwängcrn,oder auch als ein Element, das zwar Weltteile von ein-ander trennt, gleichwohl aber die größte Gemeinschaftunrer ihnen möglich macht: denn das giebt lauter teleo,logische Urtheile; sondern man muß den Ocean bloß, wiedie Dichter es thun, nach dem, was der Augenschein zeigt,etwa, wenn er in Ruhe betrachtet wird, als einen klarenWasserspiegel, der bloß vom Himmel begränzr ist, aber ister unruhig, wie einen alles zu verschlingen drohenden Ab»gründ, dennoch erhaben finden können. Eben das lst vondem Erhabenen und Schonen in der Menschengestalt zu sa,gen, wo wir nicht auf Begriffe der Zwecke, rvozu alle seineGitedmagen da sind, als Bestimmungsgründe des Unheilszurücksehen, und die Zusammenstimmn»«; mit ihnen aufUnser (alsdann nicht mehr reines) ästhetisches Urtheil nichteinstießen lassen müssen, obgleich, daß sie jenen nicht wl,derstreiien, freylich eine nothwendige Bedingung auch desästhetischen Wohlgefallens ist. Die ästhetische Zweckmäßig-keit ist die Gesetzmäßigkeit der Urtheilskraft in ihrer Frey-heit. Das Wohlgefallen an dem Gegenstande hangt vonder Beziehung ab, in welcher wir die Einbildungskraftfetzen wollen: nur daß sie für sich selbst das Gemüth infreyer Beschäftigung unterhalte. Wenn dagegen etwas an-deres, es sey Sinnenempfindung, oder Verstanoesbegrif,daö Urtheil bestimmt; so ist es zwar gesetzmäßig, aber nichtdas Urtheil einer freyen Urtheilskraft.

Wenn man also von incellectu.ellcr Schönheit oder Er,habenheit spricht, so sind erstlich diese Ausdrücke nicht ganzrichtig, weil es ästhetische VorstellungSarten sind, die, wennwir bloß reine Intelligenzen wären (oder uns auch in Ge-danken in diese Qualität versehen), in uns gar nicht anzu-

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