Critik der ästhetischen Urtheilskraft. 121
in uns (z. B. gewisse Affekten), erhaben nennen, nur alseine Macht des Gemüths, sich über gewisse Hindernisseder Sinnlichkeit durch menschliche Grundsätze zu schwingen,vorgestellt, und dadurch interessant werden.
Ich will bey dem letzter» etwas verweilen. Die Ideedes Guten mit Assect heißt der Enthnsiasm. Dieser Ge-müthszustand scheint erhaben zu seyn, dermaßen, daß mangemeiniglich vorgiebt: ohne ihn könne nichts Großes ausge,richtet werben. Nnn ist aber jeder Assect *) blind, entwederIn der Wahl seines Zwecks, oder wenn dieser auch durchVernunft gegeben worden, ln der Ausführung desselben;denn er ist diejenige Bewegung des Gemüths, welche esuüvermögend macht, freye Überlegung der Grundsatze an-zustellen, um sich darnach zu bestimmen. Also kann er aufkeinerley Welse ein Wohlgefallen der Vernunft verdienen.Ästhetisch gleichwohl ist der Enthusiaom erhaben, weil ereine Anspannung der Kräfte durch Ideen ist, welche demGemüthe einen Schwung geben, der weit mächtiger unddauerhafter wirkt, als der Antrieb durch Sinnenvorstellun-gcn. Aber (welches befremdlich scheint) selbst Affectlosig-keit (.^lltlikiiu, l'lilöAius in IiAriiiicstu Izono) eines seine»
*) Affeccen sind von Leidenschaften specifisch unterschieden.Jene beziehen sich bloß ans das Gefühl; diese gehören demVegehrunzovermögen an, und sind Neigungen, welche alleBestimmbarkeit der Willkür durch Grundsätze erschwerenoder unmöglich machen. Jene sind stürmisch und unvor«sätzlich, diese anhaltend und überlegt: so ist der Unwille,als Zorn, ein Affsct; aber als Haß (Nachgier), eine Leiden-schaft. Die letzters kann niemals und in keinem Verhält-niß erhaben genannt werden; weil im Assect die Freyheildes Gemüths zwar gchcmmc, in der Leidenschaft aber auf-gehoben wird.
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