Druckschrift 
Critik der Urtheilskraft / von Immanuel Kant
Entstehung
Seite
122
Einzelbild herunterladen
 

122

Erster Theil.

unwandelbare» Grundlagen nach-rücklich nachgehenden Ge-müths ist, und zwar auf weit vorzüglichere Art, erhaben,weil sie zugleich das Wohlgefallen der reinen Vernunft aufihrer Seite hat. Eine dergleichen Gemüthsart heißt alleinedel: welcher Ausdruck nachher auch auf Sachen, z. B.Gebäude, ein Kleid, Schreibart, körperlichen Anstand u. d.gl. angewandt wird, wenn diese nicht sowohl Verwunde-rung (Wert in der Vorstellung der Neuigkeit, welche dieErwartung übersteigt), als Bewunderung (eine Verwun«dermig, die beym Verlust der Neuigkeit nicht aufhört) er-regt, welches geschieht, wenn Ideen in ihrer Darstellungunabsichtlich und ohne Kunst zum ästhetischen Wohlgefallenzusammenstimmen.

Ein jeder Äfftet von der wackern Art (der nehmlichdas Bewußtseyn unserer Kräfte jeden Widerstand zu über-winde» (snimiKisnui) rege macht) ist ästhetisch-erhaben,z. B. der Zorn, sogar die Verzweiflung (nehmlich die ent-rüstete, nicht aber die verzagte). Der Äfftet von derschmelzenden Art aber (welcher die Bestrebung zu wi-derstehen selbst zum Gegenstande der Unlust (snimrim Isn-Auiclum) macht), hat nichts Edeles an sich, kann aber zumSchonen der Sinnesart gezählt werden. Daher sind dieRührungen, welche bis zum Assect stark werden können,auch sehr verschieden. Man hat muthige, man hat zärt-liche Rührungen. Die letzter», wenn sie bis zum Assectsteigen, taugen gar nichts; der Hang dazu heißt die Ein-pfindelcy. Ein theilnehmender Schmerz, der sich nicht willtrösten lassen, oder auf den wir uns, wenn er erdichtereÜbel betrifr, bis zur Tauschung durch die Phantasie, als obes wirkliche wären, vorsätzlich einlassen, beweiset und machteine weiche aber zugleich schwache Seele, die eine schöne Scitezeigt, und zwar phantastisch, aber nicht einmal enthusiastisch